Zum Forum
Knast

Aus der Frankfurter Rundschau vom 3.April 1999:

Männliche Wärter schauen gefangenen Frauen beim Duschen zuBericht für UN-Menschenrechtskommission deckt unglaubliche Verhältnisse in US-amerikanischen Haftanstalten auf

      Von Pierre Simonitsch

GENF, 2. April. Die Sonderberichterstatterin der UN-Menschenrechtskommission für Gewalt gegen Frauen hat schwere Mißstände in Gefängnissen der USA aufgezeigt. Häufig wurden weibliche Häftlinge von  Gefängniswärtern sexuell mißbraucht, ausgenutzt oder belästigt, schreibt Radhika Coomaraswamy in ihrem Rapport. In vielen Haftanstalten wurden die Frauen in offenen Duschen und Toiletten von Männern überwacht Die  Juristin aus Sri Lanka berichtet auch von Fällen, in denen schwangere Häftlinge gesetzeswidrig angekettet und sogar in Ketten zur Entbindung geführt wurden.

Nach den bereits 1995 vom US-Kongreß verabschiedeten Gefängnisbestimmungen dürfen Häftlinge nicht mehr mit Ketten oder sonstigen Eisengegenständen festgehalten werden. Coomaraswamy fand  aber im Verlauf ihrer dreiwöchigen Besichtigungstour durch mehrere Gefängnisse in den USA "Verletzungen dieser Regeln in großem Umfang" heraus. Eine Frau sei sogar während der Entbindung gefesselt gewesen.

Die Sonderberichterstatterin der Menschenrechtskommission war von der US-Regierung eingeladen worden, um Gewalt gegen Frauen in Gefängnissen zu untersuchen. Die Bundesstaaten Virginia und Michigan verweigerten ihr jedoch den Zutritt zu den in Aussicht genommenen Haftanstalten. In Kalifornien lehnte es die zentrale Gefängnisbehörde ab, mit Coomaraswamy über gemeldete Mißhandlungen weiblicher Häftlinge überhaupt nur zu reden.

"Vergewaltigungen in Gefängnissen kommen vor, sind aber eher selten", schreibt die Berichterstatterin. Die häufigste Form von Fehlverhalten sei ein Handel Sex gegen  Begünstigungen. Die Wärter würden ihre Macht ausnutzen und dabei eine Umwelt von Korruption und Ausbeutung der weiblichen Häftlinge schaffen. Die Anschuldigungen belegt Coomaraswamy mit mehreren konkreten Beispielen.

Coomaraswamys Ermittlungen bringen unglaubliche Haftbedingungen ans Licht. In vielen Frauengefängnissen, besonders in Kalifornien, schauen männliche Gefängnisbeamte den weiblichen Häftlingen beim Duschen und sogar bei der Verrichtung ihrer Notdurft zu. ,,Die Wächter sitzen erhöht und haben ungehinderte Sicht auf die Frauenklos", heißt es in dem Bericht. Auch die Duschen seien in vielen  Gefängnissen offen. Weibliche Häftlinge beklagten sich, daß sie keine Handtücher in die Dusche mitnehmen durften, mit denen sie ihreBloße zumindest teilweise bedecken könnten. Leibesvisitationen wurden zwar von weiblichen Beamten durchgeführt, doch oft schauten dabei männliche Kollegen zu und kommentieren die Körperformen der nackten Frauen.

Die Sonderberichterstatterin der UN-Menschenrechtskommission nennt diese Praktiken "unerträglich, unakzeptabel, einschüchternd und demütigend". Doch ändern dürfte diese Kritik an der Praxis nicht viel. Das Oberste Gericht der USA. hat nämlich ein Regierungsdekret aufgehoben, wonach weibliche Häftlinge nur von weiblichen Wärtern überwacht werden dürfen. Begründung: Das Dekret verstoße gegen die durch ein Gesetz von 1964. verbriefte Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt.

 

rais_top

[Homepage] [Nachrichten] [Schnellgerichte] [Beschleunigung] [Erfolg] [USA] [Mordprozess] [Kindergericht] [Ausgrenzung] [Jugendkriminalität] [Geburtstag] [Asyl] [UN-KK] [Themen] [Links] [Achim Katz] [Downloads] [Hamburg] [Geschlossene Heime] [Strafvollzug] [25.DJGT]