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Koffieshops in der Grauzone
Tilburg will Lizenzen für Cannabis-Züchter
Von Thomas Roser (Utrecht)
Seit 23 Jahren wird in den Niederlanden der Verkauf von Cannabisprodukten in den sogenannten Koffieshops toleriert. Einige Kommunen wollen nun auch die Belieferung derKoffieshops regeln, den Großhandel aus der Illegalität holen.
Eigentlich sind sie verboten, doch schon seit den 70er Jahren werden sie toleriert: Die alkoholfreien, aber rauchgeschwängerten Schenken zählen längst zum festen Inventar der niederländischen Städte. In Koffieshops können sich Einheimische und Touristen mit Cannabisprodukten benebeln. Offiziell ist der Verkauf von weichen Drogen auch im vermeintlichen Drogenparadies der Niederlande strafbar, doch wird deren Verkauf für den Eigenkonsum in den Koffieshops seit 1976 geduldet.
Da jedoch der Handel mit großen Mengen Drogen und professionelle Cannabiszucht verboten sind, bewegen sich die Betreiber von Koffieshops in der Illegalität: Um sich mit Ware einzudecken, sind sie auf den kriminellen Drogenhandel oder illegale Cannabiszüchter angewiesen. Als "heuchlerisch" geißelt Tilburgs Bürgermeister Johan Stekelenburg diese "schizophrene" Situation. Der Verkauf des Räucherwerks sei den Koffieshops zwar gestattet, der Einkauf ihrer Ware jedoch verboten: Der frühere Gewerkschaftschef schlägt darum ein Experiment vor: Lizenzierte Cannabiszüchter sollen die Tilburger Koffieshops beliefern.
Auf eingeschmuggelte Lieferungen aus dem Ausland sind die Koffieshops tatsächlich nur noch bedingt. angewiesen. Das in heimischen Gewächshäusern gezogene "Nederwiet" kann sich nach Ansicht von Kennern in der Qualität durchaus mit Importen aus Marokko, Afghanistan oder Libanon messen. Doch noch immer müssen Züchter befürchten, bei der Übergabe ihrer Ware am Lieferanteneingang der Koffieshops gefasst zu werden. Regelmäßig werden Plantagen von der Polizei vernichtet, erhalten ihre Eigentümer hohe Geldstrafen. Seit langem fordern darum die Koffieshop-Betreiber, ihre Rechtsunsicherheit zu beseitigen. Der von ihnen angestrebten Legalisierung von Cannabis verweigert sich Den Haag jedoch resolut. Denn schon jetzt sehen sich die Niederlande harter Kritik aus dem Ausland ausgesetzt. Vor allem Frankreich wirft Den Haag vor, den Drogentourismus aus dem Ausland zu stimulieren.
Der Vorstoß Tilburgs finde bei anderen Gemeinden Anklang, beteuert Stadtsprecherin Suzan Frikke. Presseberichten zufolge plädieren bis zu 30 Kommunen für solche Versuche. Noch ist unklar, ob sie dafür eine Genehmigung erhalten. In der Regierung machen sich vor allem Linksliberale und Sozialdemokraten für eine Ausweitung der Tolerierungspolitik stark. Dagegen hat der rechtsliberale Justizminister Benk Korthals den Vorschlag mit dem Hinweis auf internationale Verträge resolut abgewiesen; er sei aber offen" für Gespräche über lokal begrenzte Experimente.
Allerdings müsse der zuständige Staatsanwalt zustimmen, verlangte Korthals. Die Tilburger Staatsanwaltschaft sieht dafür derzeit keine Rechtsgrundlage. Stadtsprecherin Frikke hegt die Hoffnung, dass sich im Den Haager Parlament doch noch eine Mehrheit für das Versuchsprojekt findet: "Wir wollen die Koffieshops aus der Grauzone holen."
Meine Position zur Legalisierung von Cannabis finden Sie auf der Seite “Diskussion”.
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