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New York

Aus der Frankfurter Rundschau vom 7.April 1999:

Proteste gegen Spezialeinheit der New Yorker Polizei zeigen Wirkung Bürgermeister Giuliano verliert an Popularität / Erschießung eines jungen Einwanderers brachte  Faß zum Überlaufen

        Von Gerti Schön

Vor dem Polizeihauptquartier in New York versammeln sich seit gut zwei Wochen täglich ungefähr 200 Demonstranten, um gegen die Erschießung des westafrikanischen Immigranten Amadou Diallo zu protestieren.

NEW YORK, 6. April. Waren es zunächst hauptsächlich linksliberale Köpfe der Schwarzenbewegung, die ihren Protest kundtaten und dann wegen ,,zivilen Ungehorsams" vorübergehend in  Polizeigewahrsam landeten, so kommen mittlerweile immer mehr Weiße dazu. Auch Prominente wie der frühere Präsidentschaftskandidat Jesse Jackson und die Schauspielerin Susan Sarandon mischen sich unter die Demonstranten.

Seit Anfang Februar vier weiße Polizisten den unbewaffneten jungen Mann vor seiner Wohnung in der Bronx mit 41 Schüssen niedergestreckt hatten, ist das New Yorker Police Department (NYPD)  ständiger Kritik ausgesetzt. Ziel der Angriffeist die "Street Crime Unit", eine Eliteeinheit von rund 400 Polizisten, die durch Gegenden mit hoher Kriminalitätsrate patrouillieren und aggressiv  nach Straftätern und illegalen Waffen suchen. Dabei filzen sie überwiegend Schwarze und Hispanier. Bei einer solchen Patrouille war auch Diallo ins Visier der Polizisten geraten, die ihn voreilig als verdächtig  einstuften und dann sogar erschossen.

Der Tod des Immigranten aus Guinea brachte bei vielen New Yorkern das Faß zum Überlaufen. Während die Kriminalitätsrate seit dem Amtsantritt des konservativen Bürgermeisters Rudolph Giuliani 1994 erheblich gesunken ist, stiegen parallel dazu die Beschwerden über die Vorgehensweise der Polizei.

Ein trauriger Höhepunkt war der Fall des Haitianers Abner Louima: Vor zwei Jahren wurde er von der Polizei brutal mißhandelt und mußte zwei Monate lang im Krankenhaus zubringen. Er klagt  wegen sexueller Folter, weil ihm ein Polizist bei der Verhaftung einen Stab in den Anus gestoßen hatte. Louimas Prozeß soll just dieser Tage beginnen.

Wegen der Proteste mußten Giuliani und sein Polizeichef Howard Safir schließlich reagieren. Nachdem sich der Rathauschef monatelang geweigert hatte, mit Schwarzenführern zu verhandeln, war  er dann doch zu ersten Begegnungen bereit. Diese verliefen allerdings frostig. Die Polizei konnte sich Veränderungen nicht widersetzen: Die ,,Street Crime Unit" ist neuerdings nicht mehr in Zivil, sondern in  Uniform unterwegs. Außerdem wurden für die fast nur von Weißen besetzte Einheit 50 Polizisten eingestellt, die den sogenannten Minderheiten angehören wobei zu bedenken ist, daß die sogenannte Mehrheit schrumpft: Nur  noch 43 Prozent der New Yorker sind Nachkommen europäischer Einwanderer.

Der Bürgermeister, der auf den Plakaten der Demonstranten gern mit Schnurrbart als ,,Adolph Giuliani" porträtiert wird, hat in den vergangenen Monaten rasant an Anerkennung verloren.  Hatten die New Yorker zu Hochzeiten seiner Popularität seinen Stil zu 85 Prozent gebilligt, sind es heute nur noch 40 Prozent.

Ein Grund dafür dürfte seine anfängliche Weigerung gewesen sein, die vier Polizisten aus dem Diallo-Fall überhaupt vor Gericht zu stellen. Auf Grund der Proteste wurden sie inzwischen vom  Dienst suspendiert und angeklagt.

Die Anklage lautet auf Mord. Das könnte für die Polizisten, falls sie verurteilt werden, bis zu 25 Jahre Haft bedeuten. Für die Protestführer ist die Anklage zumindest eine erste Genugtuung. ,,Sie ist ein Sieg des Volkes, aber wir müssen sehen, ob es auch wirklich ein gerechtes Urteil geben wird‘, sagte Jesse Jackson.

Die Polizei selbst und mit ihr NYPD-Chef Safir wurden durch diese fatale Fehlleistung offensichtlich verunsichert. Seit dem 4. Februar, dem Tod Amadou Diallos, hält sich die ,,Street Crime  Unit" auffällig zurück: Die Zahl der Verhaftungen ging um zwei Drittel zurück.

 

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