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Studie

In der Frankfurter Rundschau vom 19.November 1998 lasen wir:

,,Die Jugend ist so gut und so böse, wie sie immer war" Kriminologin warnt vor Dramatisierung kindlicher Gewalt / Studie benennt Defizite bei Integration junger Aussiedler         von Karin Dalka      

WIESBADEN, 18. November. Vor der Diskriminierung einer ganzen Generation hat die Münchener Kriminologin Wiebke Steffen am Mittwoch in Wiesbaden gewarnt. Die Statistik registriere zwar einen Anstieg der Kinder- und Jugendkriminalität, aber ,,die Jugend ist so gut und so böse, wie sie immer war", sagte Steffen auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes. Die Behauptung ,,immer mehr, immer jünger, immer schlimmer" lasse sich durch das Zahlenmaterial nicht belegen. ,,Vom Nachwachsen einer Monster-Generation kann nicht die Rede sein."

Nach Darstellung der Regierungsdirektorin im Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) ist Kinder- und Jugendkriminalität nach wie vor im wesentlichen eine Episode, aus der man herauswächst". Die meisten Tatverdächtigen, nämlich fast zwei Drittel der registrierten Kinder und 30 bis 40 Prozent der Jugendlichen, würden nur ein einziges Mal auffällig — und zwar als Ladendiebe, berichtete Steffen, die sich auf aktuelle Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik und eine Studie ihres Hauses über die Situation in München bezog.

Auch von den jungen Gewalttätern läßt sich immerhin ein Drittel laut der Studie später nicht erneut etwas zuschulden kommen. Ein ganz kleiner ,,harter Kern", nämlich zehn Prozent der Täter, sei für die Hälfte  aller Gewaltdelikte verantwortlich. Bei solchen Serientätern ballten sich die Probleme, sagte Steffen: ,,schlechte Schulbildung, keine Arbeit, keine Perspektive, Gewalt in der Familie, soziale Ausgrenzung". Daß  es sich meistens um Ausländer handle, sei nicht erstaunlich, da diese von solchen Problemen besonders betroffen seien: ,,Kriminalität ist keine Frage des Passes, sondern der mit dem Paß verbundenen  Lebensumstände."

Nach einer Untersuchung in Münster reagieren junge Aussiedler auf Gettoisierung und Stigmatisierung eindeutig mit kriminellem Verhalten. Das berichtete der Politologe Gerhard Wittkämper. Je schlechter Aussiedler integriert seien, desto häufiger würden sie auffällig. Die Kriminalitätsentwicklung in Deutschland hängt nach Wittkämpers Meinung stark von der ,,Effizienz eines Einwanderungsund Integrationsmanagements" ab.

Auch die bayerische LKA-Expertin warnte nachdrücklich davor zu glauben, schwerer Jugendkriminalität lasse sich mit Mitteln des Strafrechts beikommen: So ließen sich soziale Probleme nicht lösen, sagte sie. Erforderlich seien eine bessere Zusammenarbeit von Erziehungsbehörden, Schule und Familie. Bei der überwiegenden Zahl junger Straftäter sei dagegen eine Dramatisierung und ,,Aufgeregtheit" nicht angebracht: Als  Reaktion reiche hier meistens ,,Mißbilligung" aus.

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